Wirtschaftsmonitoring Hessen
Die Industrie ist ein zentraler Treiber für Produktivität, Innovation und Wohlstand – auch in Hessen. Sie arbeitet produktiv, bezahlt attraktive Löhne, treibt Forschung und Innovation voran und sichert auch in ländlichen Regionen Arbeitsplätze, wie Studie im Auftrag der Arbeitgeberverbände HESSENMETALL und HessenChemie zeigt. Doch der Industriestandort steht unter erheblichem Druck.
Wir nehmen die Studienergebnisse zum Anlass, um mit Schlüsselkennzahlen aufzuzeigen, wie sich Hessen und die dort ansässige Industrie weiterentwickelt und ob die Politik die richtigen Maßnahmen umsetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Hessen zu verbessern.
Kurzer Hinweis zur Lesart
Die Kennzahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und beziehen sich immer auf den jeweiligen aktuellen Rand. Das jeweils angegebene Jahr zeigt, auf welchem Datenstand die Kennzahl beruht. Die Industrie wird in der Studie grundsätzlich als Verarbeitendes Gewerbe definiert.
Bedeutung der Industrie
Status Quo: Die Industrie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Hessen – aber unter Druck
Die Industrie gehört weiterhin zu den wirtschaftlich bedeutendsten Bereichen Hessens. Ihr Anteil an der hessischen Wertschöpfung ist jedoch seit Jahren rückläufig und auch die Beschäftigung ist gesunken. Zusammengefasst: Die industrielle Basis ist noch stark, steht aber unter zunehmendem Wettbewerbsdruck.
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Die Zahl zeigt, wie viele Menschen im Verarbeitenden Gewerbe am Arbeitsort Hessen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Sie ist ein Maß für die unmittelbare Größe der Industrie, erfasst aber nicht die zusätzlichen Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern.
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Die Industrie erzeugt eine relativ hohe Bruttowertschöpfung mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten. Das ist ein erster Hinweis auf ihre hohe Produktivität.
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Die Industrie prägt vor allem in Nord- und Mittelhessen die Wirtschaftsstruktur vieler Kreise. Dort sind Industrieunternehmen häufig wichtige Arbeitgeber und tragen wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei.
Hohe Produktivität der Industrie ermöglicht attraktive Arbeitnehmerentgelte
Die Industrie erwirtschaftet je Erwerbstätigen mehr Wertschöpfung als der hessische Dienstleistungssektor. Diese höhere Produktivität schafft Spielräume für attraktive Arbeitnehmerentgelte und stärkt damit Einkommen, Nachfrage und öffentliche Einnahmen.
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Die Produktivität misst, wie viel Bruttowertschöpfung rechnerisch auf eine erwerbstätige Person entfällt. Der Wert zeigt, wie leistungsfähig ein Wirtschaftsbereich im Verhältnis zu seinem Arbeitseinsatz ist. Je höher die Produktivität ausfällt, desto mehr Spielräume haben die Unternehmen für attraktive Löhne und Gehälter. Die Industrie liegt bei der Produktivität deutlich über dem Dienstleistungssektor. Dieser Vorsprung ist ein zentraler Grund für ihre große Bedeutung für den Wohlstand.
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Höhere Arbeitnehmerentgelte spiegeln unter anderem die höhere Produktivität und die Qualifikationsanforderungen in der Industrie wider.
Die Industrie stärkt die ländlichen Räume in Hessen
Industrie findet in Hessen nicht in erster Linie in den großen Städten, sondern vor allem in ländlichen Räumen statt. Ein großer Teil der Industriebeschäftigten arbeitet außerhalb der urbanen Zentren. Dadurch wirkt die Industrie mit ihren vielen hidden champions in vielen ländlichen Regionen als zentraler wirtschaftlicher Anker.
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Die regionale Verteilung erklärt, warum Industriepolitik auch Regionalpolitik ist: Wenn industrielle Arbeitsplätze verloren gehen, betrifft das häufig ganze regionale Arbeitsmärkte und nicht nur einzelne Unternehmen.
Exzellenter Forschungsstandort
Hessen verfügt über eine leistungsfähige Forschungs- und Hochschullandschaft. Für die Industrie ist sie besonders wertvoll, weil neue Technologien, qualifizierte Fachkräfte und anwendungsnahe Kooperationen die Grundlage für künftige Wettbewerbsfähigkeit bilden. Außerdem stärken Ausgründungen den Industriestandort Hessen.
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Die Kennzahl zeigt, wie dicht Forschungseinrichtungen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik in einer Region vertreten sind. Die regionale Ausstrahlung wird dabei berücksichtigt: Forschung wirkt häufig auch über die Grenzen des Kreises hinaus. Die Karte zeigt eindrücklich die herausragende Bedeutung Darmstadts für den MINT-Standort Hessen, aber auch ländlich geprägte Räume wie der Landkreis Marburg-Biedenkopf oder der Odenwaldkreis sind wichtige Ausbildungsstätten.
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Patente zeigen, wo Erfindungen entstehen. Patente sind insbesondere in Branchen wie der Automobil- und Pharmaindustrie von zentraler Bedeutung zum Schutz geistigen Eigentums. Patentaktive Unternehmen sind forschungsstark. Sie zeichnet in der Regel eine hohe Wettbewerbsfähigkeit aus. Die Zuordnung zum Erfindersitz macht sichtbar, in welchen Regionen besonders viel technisches Wissen entwickelt wird im Gegensatz zu einer Zuordnung zum Anmeldersitz, der in der Regel die Firmenzentrale ist.
Top-Universitäten in Hessen
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Universitäten sind ein zentraler Akteur in erfolgreichen Innovationsökosystemen. Exzellente Universitäten ziehen exzellente Studierende an, die wiederum als potenzieller Hochqualifiziertenpool für die Unternehmen dienen. Außerdem wirken Ausgründungen positiv auf den Standort, erstens durch die eigene Wertschöpfung und Beschäftigung, zweitens durch Innovationskooperationen mit bestehenden Unternehmen und drittens durch Innovationsimpulse im Rahmen von Lieferverflechtungen, also bspw. durch die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle in Industrieunternehmen.
Rund jeder fünfte Euro und Arbeitsplatz in Hessen hängt an der Industrie
Die wirtschaftliche Bedeutung der Industrie endet nicht bei den direkt Beschäftigten in Produktionsunternehmen. Industrieunternehmen kaufen Leistungen bei Logistikern, IT-Anbietern, Ingenieurbüros, Finanzdienstleistern und vielen weiteren Unternehmen ein, was als indirekter Effekt bezeichnet wird. Im induzierten Effekt werden die Löhne und Gehälter der Beschäftigten im direkten und indirekten Effekt berücksichtigt und die durch deren Konsumausgaben entstehenden Jobs in weiteren Branchen wie Gaststätten oder Handwerkern dargestellt. Durch die direkten Effekte der Industrie entsteht also eine erhebliche zusätzliche Wertschöpfung und Beschäftigung im Dienstleistungssektor.
Rund jeder fünfte Euro und Arbeitsplatz in Hessen hängt direkt oder mittelbar mit der Industrie zusammen. Die Zahl ist deshalb größer als der unmittelbare Anteil der Industrie an Wertschöpfung und Beschäftigung.
Jeder Euro direkter industrieller Wertschöpfung löst zusätzlich etwa 0,40 Euro Wertschöpfung aus. Jeder direkte Industriearbeitsplatz steht zusätzlich für etwa 0,48 weitere Arbeitsplätze in Hessen. Der Beschäftigungshebel ist größer als der Wertschöpfungshebel, weil die Nachfrage der Industrie in Zulieferbranchen und durch zusätzliche Konsumausgaben mehr Arbeitsplätze je Euro Wertschöpfung auslöst als zusätzliche Wertschöpfung. Diese Bereiche sind häufig beschäftigungsintensiver als industrielle Produktion, während die Industrie produktivitätsstärker ist.
Chemie- und Pharmaindustrie ist in Hessen stark ausgeprägt und sehr produktiv
Die Chemie- und Pharmaindustrie ist eine besondere Stärke des hessischen Industriestandorts. Die Pharmaindustrie ist weit überdurchschnittlich produktiv und hat an Bedeutung gewonnen. Die energieintensive Chemieindustrie steht zugleich wegen hoher Energiekosten und des notwendigen Umbaus zu klimaverträglichen Produktionsverfahren unter Druck.
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Die Quote zeigt, welchen Anteil die Chemie- und Pharmaindustrie an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einer Region hat. In vielen Regionen Hessens sind die Beschäftigungsanteile der Chemie- und Pharmaindustrie überdurchschnittlich ausgeprägt. Vor allem der Süden Hessens und Darmstadt profitieren von der Wettbewerbsstärke und der hohen Produktivität der beiden Industrien.
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Die Zahl beschreibt die unmittelbare Beschäftigungsgröße der Branche in Hessen. Hinzu kommen Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern und in nachgelagerten Bereichen.
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Die Bruttowertschöpfung umfasst den Wert der in der Chemie- und Pharmaindustrie produzierten Güter abzüglich der Vorleistungen, die dafür benötigt werden.
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Die Branche erzielt je Erwerbstätigen eine besonders hohe Wertschöpfung. Das gilt insbesondere für die Pharmaindustrie. Die Kennzahl erklärt ihre überdurchschnittliche Bedeutung für den Standort, weil dadurch attraktive Lohnspielräume entstehen.
M+E-Industrie: Unterdurchschnittliche Entwicklung der im Vergleich zu Deutschland
Die Metall- und Elektroindustrie ist ein Kern der industriellen Wertschöpfung in Hessen. Sie umfasst unter anderem Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektronik und weitere technologieintensive Bereiche. Ihre Unternehmen sind eng mit Zulieferern, Dienstleistern und internationalen Märkten verbunden.
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Die Beschäftigungsquote zeigt, wie stark eine Region durch die Metall- und Elektroindustrie geprägt ist. Besonders hohe Werte weisen auf Regionen hin, in denen die Branche für Arbeitsplätze und Einkommen eine überdurchschnittliche Rolle spielt. Insbesondere Mittel- und Nordhessen profitiert von der überdurchschnittlichen Prägung durch M+E-Unternehmen. Aktuell sehen sich viele M+E-Unternehmen großen Herausforderungen durch die 4 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel und Deglobalisierung – ausgesetzt, die zusätzlich zu den Standortherausforderungen mit hohen Energie- und Arbeitskosten, hohen Steuerlasten und bürokratischen Lasten bewältigt werden müssen.
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Die Zahl beschreibt die unmittelbare Beschäftigungsgröße der Branche in Hessen. Hinzu kommen Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern und in nachgelagerten Bereichen.
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Die Bruttowertschöpfung umfasst den Wert der in der Metall- und Elektroindustrie produzierten Güter abzüglich der Vorleistungen, die dafür benötigt werden.
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Die Produktivität zeigt, wie viel Wertschöpfung je Erwerbstätigen entsteht. Der Vergleich mit Deutschland macht sichtbar, ob Hessen bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Branche aufholen kann. Seit 2016 ergänzt die Produktivitätsentwicklung das Bild einer Industrie unter Druck: Deutschlandweit wuchs die industrielle Produktivität deutlich stärker als in Hessen.
Monitoring Industrieroadmap Hessen
Die Bestandsaufnahme zeigt, welche Bedeutung die Industrie heute hat und wo sie unter Druck steht. Die Roadmap richtet den Blick nach vorn: Welche Voraussetzungen braucht Hessen, damit Unternehmen investieren, innovieren und Arbeitsplätze sichern können? Dabei konzentriert sich die Roadmap auf Stellschrauben, die innerhalb Hessens bewegt werden können. Das Monitoring verfolgt, ob sich bei Bürokratie, Infrastruktur und Innovation messbare Fortschritte ergeben.